125-jähriges Jubiläum von Frau und Kultur

Vier Tage Berlin bei herrlichem Wetter. Im Rahmen des 125-jährigen Jubiläums von Frau und Kultur wurde den Mitgliedern aus allen 21 Gruppen vom 8. bis 11. Oktober ein ausgezeichnetes und vielfältiges Programm geboten.
Das zentral gelegene 4*-Hotel Maritim pro Arte, in dem die meisten Gäste wohnten, bot sich an, schon am Freitag die Gelegenheit wahrzunehmen, individuell in Berlin-Mitte zu bummeln, Ausstellungen zu besuchen oder sogar nach Potsdam zu fahren.

Das Kulturprogramm
Auch für Berlin-Kenner war die dreistündige Stadtrundfahrt durch Ost- und Westberlin in zwei Doppelstockbussen am Samstagvormittag ein Erlebnis. Sind doch in den letzten Jahren mit dem Schloss und vor allem im Bahnhofsbereich interessante neue Gebäude entstanden.
Da die Museumsinsel und das Humboldt-Forum zur Zeit für kulturinteressierte Besucher der spannendste Ort Berlins ist, wiesen uns am Nachmittag während der zweistündigen Führung kundige Architekten in sechs Gruppen auf die Geschichte und die architektonischen Besonderheiten der Museen und des Humboldt-Forums hin.
Am Sonntagvormittag sahen wir von einem gecharterten Schiff auf der Spree u.a. die Museumsinsel, das Regierungsviertel und das Nikolaiviertel. Auch auf dieser „Sehfahrt“ wurden wir nicht nur auf die Gebäude hingewiesen, sondern einer der Architekten informierte auch über die wirtschaftliche und soziale Situation Berlins.


Der Festabend
Die Freude auf den Festabend war bei den mehr als 200 Damen und auch Herren groß. Schon beim Eintreten mit einem Glas Sekt in den großen festlich geschmückten Saal fielen die fünf Figurinen auf der Bühne ins Auge. Sie wurden von der Bochumer Künstlerin Inge Brune geschaffen und verwiesen beziehungsreich auf die 125-jährige Geschichte unseres Verbandes – so auch auf das modische Erscheinungsbild in der Gründerzeit, den Zwanziger Jahren und der Gegenwart.
An jedem Platz machte ein passend zum Thema gestalteter Folder von Inge Brune neugierig. Als Anspielung auf die damalige Mode entwarf sie das Festprogramm in Form eines Kleides mit geschnürter Taille in der damaligen Idealweite von 47 cm. Jeder Gast nahm es gerne als Erinnerung an den unvergesslichen Abend mit nach Hause. Auch waren Pralinen auf jedem Platz – eine Aufmerksamkeit der Gruppe Berlin.
Nach der Begrüßung durch Dr. Kessler-Slotta stellte Frau Volkland die 19-jährige Musikerin Clara de Groote vor. Seit ihrem 13. Lebensjahr spielt sie klassisches Schlagwerk, studiert Musik und erhielt viele Preise. Inzwischen sammelte sie vielfältige Konzerterfahrungen mit namhaften Dirigenten u.a. in der Elbphilharmonie und in der Berliner Philharmonie. Auch bei uns stellte sie ihr musikalisches Können fünfmal unter Beweis – wir waren begeistert!
Nun begrüßte Dr. Beate von Miquel die Gäste. Als Vorsitzende des Deutschen Frauenrates – ein Verband mit 12 Millionen Menschen, dem unser Verband seit seiner Gründung vor 70 Jahren angehört. Sie betonte, dass die kulturelle Bildung, die die Verbände anbieten, den Alltag bereichern und dem kulturellen Schaffen Raum geben. Sie ist aber auch der Meinung, dass obwohl offiziell die Gleichstellung von Mann und Frau erreicht wurde, doch noch sehr viel zu tun ist.
Nach zwei weiteren faszinierenden Stücken von Clara de Groote am Vibraphon hielt Dr. Kerstin Wolff den Festvortrag. Sie ist Leiterin der Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung. Hier lagert auch unser Archiv inklusive der Zeitschriften.
Die Historikerin und Buchautorin ist auch Redakteurin der Zeitschrift Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte, die seit 1985 erscheint. In ihrem Vortrag blickt sie zurück in die Geschichte der Frauenbewegung unter dem Motto Befreit unseren Körper! und fordert u.a. dass die heutige Emanzipation ein neues Kleid braucht, denn immer noch sind viele Frauen der Modediktatur unterworfen.
Nach den interessanten Worten und der faszinierenden musikalischen Umrahmung durch Trommel und Vibraphon erwartete die Gäste ein gut sortiertes Dinnerbuffet. Danach wurden einige Plätze gewechselt, um nach langer Coronazeit wieder mit bekannten Menschen aus anderen Gruppen zu plauschen.

Jahreshauptversammlung
Genau am 11. Oktober vor 125 Jahren wurde der Verband gegründet. Auf dieses stolze Datum verwies Dr. Kessler-Slotta und begrüßte die zahlreichen Mitglieder unseres Verbandes im großen Raum des Hotels. Als Gäste stellte sie Dr. Gabriela Minz und Carol Corellou von YOUNG EURO CLASSICS vor, die in diesem Jahr eine großzügige Spende des Verbandes erhalten. Die Organisation ermöglicht, dass Jugendorchester aus aller Welt an dem jährlichen Festival in Berlin teilnehmen können. „Fordern und fördern“ ist der Gedanke dahinter.
Anschließend wurden die neuen 1. Vorsitzenden vorgestellt: Helga Kudiabor (Gruppe Berlin), Christa Zoch (Gruppe Bremen) und Claudia Schall (Gruppe Freiburg).
Es folgten u.a. der Jahresbericht der Bundesvorsitzenden und die Wahl der Kassenprüferin. Nach der Kaffeepause sprach Frau Galgan, die Leiterin des bisher noch einzigen Sachgebietes des Verbandes. Aber leider gibt sie das Amt aus Altersgründen auf, das sie 42 Jahre lang mit großem Einsatz geleitet hat. Es fiel ihr sichtlich schwer, Abschied zu nehmen, denn „diese Aufgabe bereicherte mein Leben“. Nach der sehr emotionalen Abschiedsrede erhoben sich alle und spendeten Beifall. Eine treue Seminarteilnehmerin überreichte ihr nach einer Dankesrede Blumen. Dr. Kessler-Slotta bat danach die Mitglieder, in den Gruppen nach einer eventuellen Nachfolgerin für das Sachgebiet Textiles Gestalten zu fragen.
Nach einem Kurzreferat der Redaktion gab Gabi Stroetmann in Vertretung von Ine Waldjik (Gruppe Münster) bekannt, dass die stolze Summe von 15.877,10 Euro (Stand 7.10.) bei der Spendenaktion für Bad Neuenahr-Ahrweiler von den Mitgliedern gesammelt wurde.
Frau Anke Linsa, 1. Vorsitzende der Gruppe, war überwältigt von dem unschätzbaren Einsatz der Aktion. Da die Situation nach der tragischen Flutkatastrophe noch nicht zu übersehen ist, kann sie erst beim nächsten Jahrestreffen bekannt geben, wie das Geld verteilt wird. Frau Linsa beschrieb noch einige dramatische Situationen während und nach der Katastrophe und beteuerte: „Wir geben nicht auf! Es geht weiter.“
Als letzter Programmpunkt wurde noch auf die nächste Bundestagung und 100-Jahr-Feier der Gruppe Bochum hingewiesen, die vom 24.-25. April 2022 stattfinden wird.
In ihrem Schlusswort beschrieb Dr. Kessler-Slotta das abwechslungsreiche Kulturprogramm mit der Stadtrundfahrt, den Architekturführungen und der Schiffsfahrt. Der lange Applaus der Mitglieder galt dem hervorragenden Gelingen des Jubiläums in Berlin. Der immense Einsatz von Frau Dr. Kessler-Slotta und dem Vorstand bei der Vorbereitung für die erlebnisreichen Tage kann nicht genug gewürdigt werden.

Text: Inge Kellersmann
Fotos: Silke Mayer sowie Inge Kellersmann, Ursula Michalke und Inge Brune