Verlegung der Bochumer Bundestagung von April 2021 in den April 2022

Meine lieben Damen, da im Zuge der grassierenden Corona-Pandemie auch in den kommenden Wochen und Monaten keine Planungssicherheit bestehen wird, befürwortet der Bundesvorstand den Vorschlag der Vorsitzenden der Gruppe Bochum, Frau Renate Ruhlig-Schulte, und plädiert in Abstimmung mit dem Vorstand der Gruppe Bochum für eine Verlegung von 100-Jahr-Feier und MGV in das Frühjahr 2022, konkret auf den Termin des 24./25. April 2022. Um den drohenden Verwerfungen im Rahmen der Pandemie zu entgehen, einem unsicheren An- und gegebenfalls Abmelden etc., sehen wir uns zu diesem außergewöhnlichen Schritt veranlaßt.

Nach Übereinkunft mit dem ausrichtenden Hotel, dem Mercure Hotel Bochum City, bleiben die vereinbarten Konditionen bestehen. Sie alle haben sicherlich die Unterlagen zur geplanten Bundestagung 2021 in Bochum erhalten. Bis auf den neuen Termin, den 24./25. April 2022 – den Sie bitte selbst korrigieren – gelten sämtliche Angaben bis ins Jahr 2022 weiter.

Die reguläre Mitgliederversammlung unseres Verbandes beabsichtigen wir im Rahmen unseres Jubiläums in Berlin am 11. Oktober 2021 durchzuführen. Da derzeit keine aktuellen Änderungen anstehen, können wir erneut die MGV im Herbst 2021 planen. In Berlin werden wir uns dann hoffentlich gesund und feierfroh in großer Runde wiedersehen. Im April 2021 erhalten Sie dazu die Anmeldung mit den detaillierten Angaben zu unserem mehrtätigen Programm, das uns von Freitag, den 08.10., bis Montag, den 11.10.2021, zusammenführen wird.  

In der Hoffnung, dass wir mit Ihrem Verständnis für diese Umdisponierung rechnen dürfen,   grüßt Sie im Namen des Bundesvorstandes  

Ihre Dr. Elisabeth Kessler-Slotta

Bundestagung in Kamp-Lintfort

Endlich sich wieder mal zu sehen, gemeinsam Sehenswürdigkeiten betrachten, an einer Feier teilnehmen und live sich an Poesie, Musik und schönen Fotos erfreuen, dies schätzten nach langer Zeit alle Damen während der Tagung in Kamp-Lintfort.

Das 30-jährige Jubiläum der Gruppe Kamp-Lintfort sollte nämlich im April stattfinden. Aber wegen Corona wurde die Jahrestagung auf den 18./19. Oktober verschoben. Aber dann waren die Zahlen schon wieder angestiegen, so dass viele Mitglieder den Weg in die niederrheinische Stadt nicht antraten. Schade! Denn Frau Aumann und ihre Gruppe haben die Tagung so liebevoll vorbereitet.

Dank den versierten Stadtführern konnten wir am Nachmittag Einblicke in die jahrhundertalte Geschichte des ehemaligen Klosters gewinnen. Denn schon 1123 wurde die erste deutsche Zisterzienserabtei in Kamp gegründet. Bis Ende des 17. Jahrhunderts entstand trotz vieler Kriegsunruhen eine prächtige Klosteranlage mit dem ersten Terrassengarten. Kurz darauf wurde der Garten gemäß der Ideen des Barocks mit Wasserspielen und Figuren neu gestaltet. Nachdem 1794-1804 die französische Armee das Rheinland besetzte und 1802 auch Kloster Kamp im Zuge der Säkularisation aufgehoben wurde, verfielen Klostergebäude und Terrassenanlage zusehends. Der Enteignung entgingen nur die Klosterkirche und das heutige Pfarrhaus. 1986 begann die Stadt nach dem Vorbild eines Kupferstichs die Terrassengärten neu aufzubauen. Auch zwei Orangerien sind wieder ein Anziehungspunkt.



Im großen Saal des komfortablen Wellings Parkhotels eröffneten die 1. Vorsitzende von Kamp-Lintfort Christa Aumann, Frau Dr. Kessler-Slotta sowie die Kultur- und Gleichstellungsbeauftragten der Stadt den Festabend. Frau Dr. Kessler-­Slotta dankte der Gruppe, mit wieviel Energie und Zeit sie die Tagung vorbereitet hat und betonte, wie froh sie ist, wieder gemeinsam feiern zu können. Die Vertreterin der Stadt lobte vor allem das ehrenamtliche Engagement. Trotz aller Bedenken wegen Corona fühlten wir uns sicher, wurde doch der Abstand am Tisch und am exzellenten Dinnerbuffet gewahrt.

Zuvor hatten wir das Vergnügen, die Kleinkunstgruppe „Kleine Welten“ vom Niederrhein zu erleben. Ein Privileg sei es, so Christian Behrens, der Corona-Krise ein wenig Poesie und Freude entgegenzusetzen. Mal melancholisch, poetisch und auch heiter – mit stimmungsvollen Fotos an die Wand projektiert – unterhielt uns das Trio bestens.

Die Jahreshauptversammlung beinhaltete neben dem Jahresbericht 2019 der Bundesvorsitzenden, den Bericht der Kassenführerin und in diesem Jahr auch zwei Wahlen.
Wiedergewählt wurden Renate Szymanek als Kassenführerin und Sibylle Weitkamp als Schriftführerin in verantwortungsvollen Positionen und als bewährte Mitglieder des Bundesvorstandes. Für die Annahme ihrer Ämter ernteten sie großen Applaus.
Ein wichtiger Punkt der Tagesordnung war die Vorstellung der Vorlage zum Neuentwurf der Satzung von Frau und Kultur und die Abstimmung darüber. Dank der schriftlich eingegangen Zustimmungen von den entschuldigten Vorsitzenden wurde die notwendige Stimmenzahl erreicht, und somit konnte die längst fällige Satzungsänderung dank dieser Präsenzveranstaltung verabschiedet werden.

Ein Wermutstropfen dennoch: Die Gruppe Kiel wird leider im Dezember 2020 aufgelöst, weil die 1. Vorsitzende Gudrun Stooß keine Nachfolgerin fand. Tröstlich zu erfahren, dass es in der Gruppe Freiburg weitergeht. Die Gruppe Hannover hatte im Frühjahr alles vorbereitet, um ihr 120jähriges Jubiläum zu feiern. Doch die weitere Verschiebung in den November 2020 fiel dem aktuellen Lockdown zum Opfer.

Im nächsten Jahr hat auch die Gruppe Bochum Anlass zu feiern. Die 100-Jahr-Feier ist im Rahmen der Bundestagung für den 18.-19. April 2021 in Bochum vorgesehen. Es ist zu hoffen, dass Corona diese Feier nicht wieder schmälert. Ein großes Fest erwartet uns vom 8. bis 11. Oktober 2021 in Berlin. Das geplante Programm der 125-Jahr-Jubiläumsfeier von Frau und Kultur in Verbindung mit der Herbsttagung ist viel versprechend.

Frau Dr. Kessler-Slotta und Inge Kellersmann wiesen noch darauf hin, dass ab 2021 wieder vier Hefte im Jahr erscheinen werden, die Kosten dafür aufgrund geänderter Postgebühren und Druckkosten sich aber nicht erhöhen.
Auf der neu gestalteten Homepage befindet sich ein Link zu diesem Blog, in dem noch weitere Fotos dieser Tagung zu sehen sein werden. Außerdem können dort Gruppenberichte und Fotos, die im Heft keinen Platz mehr fnden, über die Mail von Inge Kellersmann eingestellt werden.



In ihrer Abschlussrede dankte Frau Dr. Kessler-Slotta Frau Aumann und ihrem Team für die viele Arbeit, die zum Teil ja auch schon im April getätigt werden musste. Ein besonders Lob galt den Damen von Kamp-Lintfort für die schöne herbstliche Tischgestaltung.

Sie dankte auch den Teilnehmerinnen für ihren Mut, nach Kamp-Linfort zu fahren. Sie sprach die Hoffnung aus, dass die nächsten Monate gut verlaufen mögen und die Tagung in Bochum stattfinden kann. Trotz schwieriger Voraussetzungen konnte dieses Treffen in Kamp-Lintfort als Erfolg gewertet werden.

Inge Kellersmann

Spende an „Engel gibt es überall“
Traditionsgemäß überreicht der Verband im Rahmen seiner Mitgliederversammlung eine respektable Spende an eine gemeinnützige Organisation. In diesem Jahr erhielt sie der Förderverein „Engel gibt es überall e.V.„. Er unterstützt diskret hilfsbedürftige Kinder, Jugendliche und deren Familien. Alle Förderungen und Programme werden von Anfang bis Ende begleitet und werden unbürokratisch und schnell zu 100 % zur direkten Hilfe eingesetzt.
Als sinnvolle Ergänzung zu staatlichen Hilfen werden brachliegende schulische, musische und sportliche Talente von Kindern und Jugendlichen gefördert, deren Familien unversehens in wirtschaftliche Not geraten ist. Sie helfen auch z.B. mit Kleidung, Büchern, Schulbedarf, finanzieren u.a. Nachhilfeunterricht, Begabtenförderung oder medizinische Leistungen und stellen Sach- und fachleistungen z.B. bei Renovierungsarbeiten, behördlichen oder juristischen Beistand.

JAHRESBERICHT 2019

Meine lieben Damen,

mein Jahresbericht umfasst wie gewohnt die unterschiedlichen Schwerpunkte meiner Tätigkeit: die Organisation und Durchführung zweier jährlich stattfindender Tagungen, die Kooperation mit der Akademie Franz Hitze Haus in Münster, die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Frauenrat in Berlin, die Auseinandersetzung mit Fragestellungen innerhalb der einzelnen Gruppen sowie deren Beratung und als Ansprechpartnerin nicht nur der Vorsitzenden, sondern auch der Mitglieder zu fungieren.

Unsere Bundestagung 2019 fand zusammen mit 120 Damen aus ganz Deutschland am 28./29. April im Maritim Hotel Würzburg statt. Die zentrale Lage quasi mitten in der Nation und die gute Erreichbarkeit haben als wichtige Kriterien die Wahl des Austragungsortes favorisiert. Kunst und Kultur der geschichtsträchtigen Stadt haben wir im Rahmen von Stadtführungen zu Fuß erkundet. Der anschließende genussreiche Festabend bot uns im Panoramasaal des Hotels neben musikalischen Kompositionen, die ausschließlich von Frauen stammten, auch wohltuende Ausblicke auf die Weinberge der Umgebung. Der darauf folgende Vormittag war der Mitgliederversammlung vorbehalten.

Im Oktober trafen sich traditionsgemäß im Rahmen unseres Herbsttreffens im Liudger-Haus in Münster der Bundesvorstand, die Gruppenvorsitzenden mit ihren Stellvertreterinnen, die Leiterin des Sachgebietes Werkgestaltung/Textiles sowie die Redaktion unserer Zeitschrift, um über neue Entwicklungen, Wechsel in den Vorständen der Gruppen zu informieren, Fragen zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die langjährige Redakteurin unserer Zeitschrift, Frau Irma Hildebrandt, haben wir gewürdigt und ihr für ihre verdienst- und niveauvolle nahezu 40jährige Tätigkeit gedankt. Das neue Redaktionsteam bilden neben Frau Inge Kellersmann nun Frau Ursula Michalke, Frau Gabriele Weber-Schipke und Frau Renate Zimmer, die sich in Münster vorstellten und in lückenloser Kontinuität die Geschicke unserer Verbandszeitschrift vereint übernehmen. Als Gäste begrüßten wir Frau Ulrike Zethoff aus Bochum, die Steuerberaterin des Verbandes, die unsere Fragen zur Umsatzsteuer beantwortete sowie Frau Vera Kalkhoff aus Münster, die uns zum Ehrenamt informierte. Angesichts der zahlreichen Fragen zur Umsatzsteuer hat Frau Zethoff einen Workshop im Sommer 2020 in Aussicht gestellt.

Die Kooperation mit der Akademie Franz Hitze Haus manifestierte sich erneut im Literaturseminar mit dem Thema „Literarische und filmische Reflexionen zu 30 Jahren Wiedervereinigung“ vom 6.-8. September 2019 unter der gewohnt kompetenten Leitung von Frau Dr. Christiane Dahms. Neun Damen unseres Verbandes gehörten zu den insgesamt 24 TeilnehmerInnen. Vom 4.-9. August nahmen neun Damen aus sechs Gruppen des Verbandes an den „Kreativen Seminartagen““ in Bad Pyrmont teil, jenem Seminar, das Frau Ursel Galgan als Sachgebietsbeauftragte bereits seit Jahrzehnten nach wie vor mit Geschick und Freude leitet und das zu den Gründungsseminaren von „Frau und Kultur“ zählt.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Frauenrat ist fortgesetzt worden. Die Teilnahme an der Mitgliederversammlung vom 14.-16. Juni 2019 in Berlin bot Gelegenheit, sich gemeinsam im Engagement für die faktische Gleichstellung von Frauen und Männern in der BRD gesteigert einzusetzen: mit der angestrebten Parität in den Parlamenten, der Gleichstellung der häuslichen Sorgearbeit, der Diskrepanz im Bruttolohnbereich sowie der Rente von Männern und Frauen. Die Digitalisierung in den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen stellt sich als neue Herausforderung dar.

An der 110 Jahr-Feier der Gruppe Bremen Anfang Dezember 2019 nahmen Frau Renate Szymanek, Frau Ursula Dorothee Volkland und ich vom Bundesvorstand teil. Das Festprogramm im „Himmelssaal“ des Hotels Radisson blue startete mit einem Empfang, es folgten mehrere Grußworte, u.a. von Herrn Dr. Henning Scherf, dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt, ein informativer Vortrag des Leiters der Museen Böttcherstrasse, Herrn Dr. Frank Schmidt, zur historischen Örtlichkeit des eindrucksvollen „Himmelssaales“. Musikdarbietungen und ein kulinarisches Buffet-Dinner rundeten den Abend zu einer gelungenen Veranstaltung, in deren Rahmen Frau Ingeborg Marcus, die Vorsitzende der Bremer Gruppe, eine kleine Chronik in Form einer Festschrift präsentierte.

Im Rahmen des Weltfrauentages 2020 waren Frau Ursula D. Volkland und ich als Delegierte unseres Verbandes der Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau an den Deutschen Frauenrat am 6. März ins Schloss Bellevue gefolgt. Erstmals seit seinem fast 70jährigen Bestehen war eine solche Einladung an den Deutschen Frauenrat ergangen, wie die Vorsitzende Mona Küppers in ihrer Ansprache rückblickend klarstellte. Zusammen mit 100 Frauen aus den bestehenden 58 Organisationen der Frauenlobby ergab sich ein offener Austausch mit dem Bundespräsidenten und untereinander in einer überaus angenehmen Atmosphäre Fragen des ehrenamtlichen Engagements und nach wie vor bestehende Gleichstellungsdefizite wurden diskutiert.

Elisabeth Kessler-Slotta

Was machen die Mitglieder während des Lockdowns in der Corona-Krise

Was machen die Mitglieder während des Lockdowns in der Corona-Krise, wenn sie sich nicht zu Veranstaltungen treffen können?
Zum Beispiel die Gruppen Hannover, Aachen und Münster

Natürlich haben wir ganz viel unter- und miteinander telefoniert und gemailt, um den Kontakt zu halten. Aber womit haben sich einzelne Mitglieder in der Zeit der Isolation beschäftigt?

Ich bin ganz viel spazieren gegangen, jeden Tag ca. 15 Kilometer. Luft, Licht und Bewegung tun gut und machen den Kopf frei. Man kann seinen Gedanken nachgehen, ihnen freien Lauf lassen. Und so habe ich meine nähere Umgebung ganz anders als sonst wahrgenommen. Ich habe botanisiert, ornithologische Studien betrieben, den Kuckuck rufen gehört und an das Portemonnaie geklopft, mit dem Fernglas den Horizont abgesucht, blühende Kleingartenkolonien durchstreift, Störche beim Brutgeschäft beobachtet und dann die Fütterung der Jungstörche. Auch ihr Klappern war zu vernehmen. Man wird zur Einzelgängerin – und gewöhnt sich daran. Der Ausspruch des Schweizer Dichters Gottfried Keller kam mir in den Sinn: „Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluss der Welt.
An einem Haus sah ich im Fenster zwei hübsche Kinderzeichnungen mit je einem bunten Regenbogen. Unter den Bögen war ein kleines Haus gemalt mit dem Satz: Wir bleiben zu Hause. Über den Regenbögen stand: Alles wird gut. Die beiden Zeichnungen haben mich sehr berührt. Der Regenbogen ist zum Symbol der Hoffnung geworden. Kinder malen bei dieser Regenbogenaktion einen Regenbogen und kleben ihn ans Fenster oder an die Tür. Andere Kinder können auf ihrem Spaziergang die Regenbögen suchen oder zählen, und gleichzeitig sehen sie, dass auch andere Kinder zu Hause bleiben müssen.

Bild Sibylle Weitkamp Regenbogen

Auch habe ich viel gelesen, u. a. von Alain de Botton: Kunst des Reisens. Er zitiert einen Satz aus den „Gedanken“ des großen französischen Denkers Blaise Pascal (1623 – 1662): „Das ganze Unglück der Menschen rührt aus einem einzigen Umstand her, nämlich, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können“. Und Botton berichtet von dem französischen Schriftsteller Xavier de Maistre (1763 – 1852), der 1790 eine Reise durch sein Zimmer machte und später seinem Bericht darüber den Titel gab: „Reise um mein Zimmer“. In dankbarer Erinnerung an seine Erlebnisse unternahm de Maistre 1798 eine zweite Reise. Diese fand nachts in seinem weiß-rosa Schlafanzug statt, der Reisende wagte sich bis an den Fenstersims und gab später diesem Bericht darüber den Titel: „Nächtliche Entdeckungsreise um mein Zimmer“. Eine geeignete Lektüre für Corona-Zeiten im Lockdown!

Sibylle Weitkamp

Sind es immer die „Mängelwesen“, die träumen?
So scheint es 1838 Clemens Brentano gesehen zu haben in seinem Gedicht „Wenn der lahme Weber träumt, er webe, Träumt die kranke Lerche auch, sie schwebe…“ Ich kann jetzt ergänzen: Wenn der eingesperrte Maler träumt, er male weite, bunte Räume….

Ab Mitte März 2020 erging es mir genau so. Die Zwangsvereinsamung kam langsam und unerbittlich. Spontanes Begegnen, Treffen guter Freunde, Beteiligung an der Frühjahrsausstellung einer Künstlervereinigung, Planung der Jubiläumsausstellung einer „Hanse“-Stadt – nicht nur das fiel ins Wasser. „Bleib alleine!“ Sicherlich sinnvoll, aber der Preis war eine malerische Ohnmacht. Ich ging an der Staffelei, an den halbfertigen Bildern, die da vor sich hin trockneten, vorbei, und der Blick blieb leer. Nichts „funkte“. Mitte April war der Zustand bedrückend, fies, schwermütig machend. Ein betäubter Wille wie beim Rilkeschen Panther in seinem Käfig.

Aber siehe da: Die ausgesperrte Welt rückte und rückt nach und nach wieder näher, die Bücher und Bilder und blühenden Bäume beginnen wieder zu sprechen. Die Lockerung verlockt. „Kirchner“, „Kafka“, wer weiß, woher kommend, stehen auf einmal als Stichwortgeber im Raum. Plötzlich ist die „Produktion“ wieder angesprungen: zwei leere Leinwände aus Vor-Corona-Zeit, lange Zeit unberührt, wandern auf die Staffelei – Vorzeichnung mit noch vager Idee, anlegen der Figuren, Ausweitung zu einem Triptychon…
Das Atelier nicht mehr Käfig, sondern tatsächlich großer, weiter Raum. Bilder entstehen wieder in einem Schwung. Die Fülle, nicht der Mangel hilft der Stimmung auf, und die Ölfarbe „fließt“ wieder – das Foto hat das festgehalten.

Bild Annette Grund
Annette Grund

Was hilft uns in diesen Zeiten, wenn die Kontakte wie Chorsingen und Treffen bei „Frau und Kultur“ entfallen?
Mir hilft, Musik zu hören, spazieren zu gehen und zu lesen, lesen….
Es sind nicht nur Romane und Kriminalgeschichten, sondern immer wieder das Buch von Erich Kästner: Das Blaue Buch – Geheimes Kriegstagebuch 1941 – 1945 ( Zürich, Atrium Verlag 2018). Ich lese meistens nur die Eintragungen Kästners für den Tag, an dem ich das Buch zur Hand nehme und bin dann erstaunt, wie lakonisch er die jeweiligen Ereignisse des Tages wiedergibt.
Erich Kästner verließ Deutschland in den Kriegsjahren nicht, wohl aus Fürsorge für seine Mutter, aber auch, um als Zeitzeuge seine Eindrücke festzuhalten.

Gerlinde Curth

Ablenkung ist in diesen Zeiten sehr willkommen. Da ab Mitte März leider auch alle Veranstaltungen vom Verband „Frau und Kultur“ abgesagt werden mussten, half mir oft Lektüre dabei, all die geplatzten Termine zu ersetzen.
Besonders gut gefallen hat mir der neue Roman von Laetitia Colombani „Das Haus der Frauen“. Darin geht es um eine junge, erfolgreiche Pariser Anwältin, die in ihrer beruflichen Arbeit so schockiert wird, dass sie nicht mehr in der Kanzlei arbeiten kann. Um ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, bietet sie an, im Haus der Frauen (Palais de la Femme) ehrenamtlich für die dort untergekommenen Frauen in Not amtliche und private Briefe zu verfassen. Mit jedem Brief, den sie im Auftrag der Bewohnerinnen verfasst, wächst ihr Mitgefühl für die Frauen, die oft furchtbare Schicksale erlitten haben.
Sie beginnt, sich für die Geschichte des Hauses zu interessieren. Der Kampf der mutigen, heldenhaften und selbstlosen Blanche Peyron, die sich 1926 für diesen Ort der Zuflucht für hilfsbedürftige Frauen mit all ihrer Kraft eingesetzt hat, wird in Rückblicken erzählt. Die im Roman enthaltenen Kapitel über Blanche Peyron, die Gründung der Heilsarmee und deren Wirken in Paris sind sehr gut nachempfunden, und ich habe die Frau, die eines der ersten Frauenhäuser gründete, gerne „kennengelernt“. Das Buch mit den interessanten Personen, der leichten Spannung und den genau richtig dosierten Emotionen ist im Februar 2020 im S. Fischer Verlag erschienen. Dort wurde 2018 auch der erste Roman von Laetitia Colombani „Der Zopf“ veröffentlicht. Auch der ist lesenswert.

Martha Lang

Willst du ein Leben lang glücklich sein, lege einen Garten an.
Deutsches Sprichwort
Diesem Sprichwort kann ich nur zustimmen!

Besonders in diesen schwierigen Zeiten, in der die meisten von uns zur gefährdeten Altersgruppe gehören, und wir mehr Obacht auf uns geben sollten, ist mein Schrebergarten mein Fluchtpunkt und Ruhepol. Dort bei der Arbeit sind die Alltagssorgen ausgeblendet. Ich erfreute mich an der Vielfalt der Pflanzen, an den zarten Frühlingsfarben im Mai, wie Akelei, Tamariske und Magnolien oder das Weiß des Schneeballs, der Gartenanemonen und der Milchsterne. Eine besondere Freude bereiteten mir die sich öffnenden Knospen der Pfingst- und Bauernrosen und dann ihre volle Blütenpracht.

Immer wieder verändert sich die Farbwelt meines Gartens, das Blau des Alliums, der Glockenblumen, der verschiedenen Irissorten und der Funkien beherrschen den Garten. So verbringe ich meine Tage im Garten auch auf meiner Liege mit einem schönen Buch, aber immer wieder schweifen meine Blicke in den Garten, für mich ein kleines Paradies, und dem hinter dem Garten liegenden Stadtwald Hannovers, der Eilenriede.

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Regina Tiemann

Das waren Eindrücke von Mitgliedern der Gruppe Hannover

Frau und Kultur NEWS aus AACHEN vom Mai 2020

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Und ein Brief an die Mitglieder der Gruppe Münster vom 24. März 2020

Liebe Damen von Frau und Kultur,

Heute Abend habe ich das Bedürfnis, mich einfach mal auf diesem digitalen Weg per E-Mail zu melden bei den Damen die im Internet zu erreichen sind.

Im Normalfall hätten wir uns morgen wieder getroffen im “Himmelreich” zu einem besonders schönen Nachmittag.

Die Zeiten sind aktuell überhaupt nicht normal durch das verheerende Geschehen in der ganzen Welt.

Wir als ältere Frauen, viele von uns allein wohnend, sind eigentlich auf  Gemeinsamkeit angewiesen, auf eine heitere Begegnung, auf ein Gespräch, auf einen Gang durch die frische Luft, gerade an diesem sonnigen Frühlingstag.

Nun sollen wir zu Hause bleiben und uns höchstens zu zweit auf Abstand begegnen.Also ist unsere Kreativität gerade jetzt gefragt. Ich schlage vor, dass wir uns kreativ begegnen.

Am Telefon, per Brief, per E-Mail oder WhatsApp, denn wir wollen uns nicht verkriechen oder in Wehmut versinken.

Ich habe mir lange nicht mehr so intensiv schöne Musik angehört, als in den letzten Tagen. Das hat mir richtig wohlgetan!

Die Damen die Sie kennen, können Sie sicher erreichen. Wenn Sie jemanden schreiben oder anrufen möchten, von der Sie nur den Namen kennen, dann rufen Sie bei uns vom Vorstand an.

Ich werde auf jedem Fall mein Telefon nicht in Ruhe lassen!

Zum Schluß möchte ich Sie noch bitten, in diesen Tagen feste an meine Freundin, Gabi Stroetmann, zu denken, die vor einigen Tagen unerwartet an einem Hirntumor operiert wurde. Zum Glück war der gutartig und sie hat die Operation erst mal gut überstanden. Wir haben große Hoffnung, dass es ihr besser gehen wird.

Nun wünsche ich Ihnen allen eine gute Osterzeit! Wir haben jetzt eine Chance, uns mit uns selbst zu beschäftigen.

In herzlicher Verbundenheit!

Ine Waaldijk

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Bundestagung in Würzburg

120 Damen und ein männliches Mitglied nahmen an der Bundestagung in Würzburg teil. Im Rahmen von fünf Stadtrundgängen mit versierten Stadtführern konnten wir am Nachmittag Einblicke in die jahrhundertealte Geschichte gewinnen und zahlreiche historische Bauwerke kennenlernen, u.a. den Kiliansdom und die gotische Marienkapelle mit Werken von Tilman Riemenschneider, das Falkenhaus mit der Rokokofassade und den Marktplatz. Vom Mainufer und der Alten Mainbrücke sind die Feste Marienberg und Käppele ein besonderer Blickfang.

 

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Die Aussicht auf die Festung und die berühmten Weinberge konnten wir auch von dem Panoramarestaurant im Maritim Hotel bei Sekt, Sonne und angenehmer Unterhaltung genießen. Der Festabend begann dort mit Klavierklängen aus dem Film „Chocolat“. In ihrer Begrüßungsrede wies Dr. Elisabeth Kessler-Slotta darauf hin, dass in Würzburg im Mai 1924 eine Ortsgruppe von 36 engagierten Damen gegründet wurde. Käthe Kruse hielt dort 1927 einen Vortrag. Die Gruppe wurde leider nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aktiviert.

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In ihrer Rede wies die Vorsitzende auch darauf hin, dass unser Miteinander von allen ehrenamtlich tätigen Damen lebt, die mit großem zeitlichen und persönlichen Einsatz zum Gelingen unseres reichen Verbandslebens beitragen.

Da der OB Schuchardt verhindert war, begrüßte uns die Beauftragte der Gleichstellungsstelle für Frauen und Männer Würzburg, Petra Müller-März.

Die Jahreshauptversammlung beinhaltete neben den Berichten der Bundesvorsitzenden und der Kassenführerin weitere wichtige Punkte. Zur Wahl stellten sich wieder Dr. Kessler-Slotta und Dorothee Volkland, die mit großer Mehrheit wiedergewählt wurden.

Frau Ursel Galgan, die das Sachgebiet Werkgestaltung/Textiles leitet, lud zu den kreativen Seminartagen im August in Bad Pyrmont ein – eine Chance, um für fünf Tage frei von häuslichen Verpflichtungen ungestört gestalterisch tätig zu sein.

Inge Kellersmann stellte in Vertretung von Frau Hildebrandt die Themen der nächsten Hefte vor. Dann gab die Vorsitzende bekannt, dass das Redaktionsteam mit drei kompetenten Mitgliedern aufgestockt wird: Ulla Michalke aus Nürnberg, Gabriela Weber-Schipke aus Ludwigshafen/Mannheim und Renate Zimmer aus Dortmund.

Zwei Kurzreferate aus Aachen und Moers (als Sprecherinnen der Gruppen aus NRW) brachten frischen Wind in die Diskussion. Zum einen regten sie mehr gemeinsame Aktionen unter den einzelnen Gruppen (u.a. gemeinsame Reisen und Projekte sowie Referentenaustausch) an.

Zum andern wünschten sie sich eine intensivere Zusammenarbeit zwischen dem Bundesvorstand und den einzelnen Gruppen. Die beiden Bundesvorsitzenden erklärten daraufhin, dass man sich gerne bei allen Fragen und Wünschen an sie wenden kann, nicht nur bei Steuerfragen, Versicherungen oder Datenschutz.

Damit es nicht nur bei Diskussionen bleibt, bildete sich eine Gruppe von vier Damen, um sich für ein kreatives und gemeinsames Agieren in der Zukunft einzusetzen.

Um die kulturelle Bildung zu verstärken und das Sachgebiet Kunst wieder anzubieten, bat Dr. Kessler-Slotta die anwesenden Mitglieder, in den Gruppen eine Kunsthistorikerin zu suchen, die Seminare von 3 bis 4 Tagen durchführen würde.

Es waren intensive zwei Tage in Würzburg, interessante Rundgänge zu kulturhistorischen Stätten und ein wunderschöner Galaabend im Panoramasaal mit leckerem Essen und fränkischem Wein.

Inge Kellersmann

Spende an die KulturTafel Würzburg

Marion Gut  - Vorsitzende der KulturTafel Würzburg

Marion Gut – Vorsitzende der KulturTafel Würzburg

Traditionsgemäß überreicht der Verband Frau und Kultur e.V. im Rahmen seiner Mitgliederversammlung eine respektable Spende an eine gemeinnützige Organisation. In diesem Jahr erhält sie die KulturTafel Würzburg. Etwa 40 Ehrenamtliche haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit geringem Einkommen am kulturellen Leben teilhaben zu lassen. Dazu vermitteln sie im Monat rund 1100 Gäste, die über ein geringes Einkommen verfügen, wie Arbeitslose, Alleinerziehende und deren Kinder oder Senioren mit kleiner Rente kostenfreie Eintrittskarten von zahlreichen Veranstaltern. Die KulturTafel Würzburg will mit ihrer Arbeit erreichen, dass Menschen sich nicht mehr als ausgegrenzt erleben. Denn immer mehr Menschen sind auf Solidarität anderer angewiesen – auch was die Teilhabe am kulturellen Leben betrifft. Für die KulturTafel Würzburg e.V. gilt: Kultur darf kein Luxus sein!

In den fünf Jahren, in denen die KulturTafel Würzburg besteht, hat sie schon 19.000 Karten vermittelt. Da nicht alle Veranstalter Karten kostenlos anbieten, kauft die Organisation z. B. Kinokarten für einige Gäste.

Es gibt in anderen Städten ähnliche Einrichtungen, teils unter einem anderen Namen wie z.B. Kultur-Pott, die auch Karten zu den verschiedenen Veranstaltungen kostenlos vermitteln.

 

 

Verbandsstatement – 100 Jahre Frauenwahlrecht

Der Deutsche Verband Frau und Kultur e.V. – einst und jetzt

Mit der Realisierung des Wahlrechtes im Januar 1919 ist für Frauen in Deutschland ein neues Zeitalter angebrochen, für das die Pionierinnen der Frauenbewegung jahrzehntelang erbittert gekämpft haben. Eingebettet in die allgemeinen gesellschaftlichen Erneuerungsbestrebungen und als integraler Teil der Frauenbewegung erfolgte am 11. Oktober 1896 in Berlin die Gründung unserer Solidargemeinschaft als „Verein zur Verbesserung der Frauenkleidung“.

Vor dem Hintergrund des gleichfalls1896 einen Monat zuvor veranstalteten „Internationalen Kongresses für Frauenwerke und Frauenbestrebungen“ avancierte Modebewusstsein zum Synonym körperlicher und gesellschaftlicher Emanzipation. „Ihr Frauen, vermindert nicht Eure Kraft durch unzweckmäßige, gesundheitswidrige Kleidung“, lautete ein Appell im ersten Mitteilungsblattes des Vereins. Mediziner, Hygieniker, Pädagogen, Naturheilkundler, aber auch Frauenrechtlerinnen plädierten gegen die Doktrin des gesundheitsschädigenden Korsetts, stattdessen für eine zeitgemäße Frauenkleidung. Schnittmuster unterschiedlicher Modelle, vorrangig gesundheitliche Aspekte und die Natürlichkeit des weiblichen Körpers betonend, waren von Anbeginn an standardisierter Bestandteil einer medienwirksamen Presse und sorgten auch für die Etablierung des Reformkleides. Sukzessive erweiterte sich das Themenspektrum auf Rechts- und Erziehungsfragen, Persönlichkeitsentwicklung, seelische Krankheiten, Volksgesundheit, Literatur, Altersversicherung sowie neuartige Medizintechniken.

Seit dem Jahr 1900 wurden die Mitteilungen des Verbandes als Zeitschrift mit dem Titel „Die gesunde Frau“ publiziert. Neugründungen von Ortsgruppen waren in vielen deutschen Städten zu verzeichnen. Der permanente Modernisierungsschub vieler Lebensbereiche, die expandierende Arbeitswelt, die zunehmende Mobilität, die wachsende Bedeutung von Sport und Gymnastik und die berufstätige Frau leiteten gesellschaftliche Wandlungsprozesse ein, die kontinuierlich thematisiert wurden.

Während der Verband 1928 auf die stattliche Zahl von 71 Ortsgruppen zurückblicken konnte, lösten sich 1936 unter dem NS-Regime zahlreiche Gruppen auf oder tauchten ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu Neubelebungen, natürlich unter völlig gewandelten Verhältnissen. 1973 erfolgte die letztmalige Namensänderung in den „Deutschen Verband Frau und Kultur“, kurz darauf die Umbenennung der Zeitschrift in „Frau und Kultur“.

Diese kurze Rückblende verdeutlicht den Imagewandel unseres Verbandes, der sich ausgehend von einer reformwilligen Interessengemeinschaft mit dem sperrigen Titel „Verein zur Verbesserung der Frauenkleidung“ zum „Deutschen Verband Frau und Kultur“ entwickelt hat, dessen prägnante Kurzfassung „Frau und Kultur“ programmatisch die Leitbilder unserer Solidargemeinschaft umfasst. Orientiert am gesellschaftlichen Wandlungsprozess zählen kreativer Gestaltungswillen, kulturelle Aufgaben und gemeinschaftliches Verantwortungsgefühl zur Solidität und Kontinuität einer Institution, die sich breitgefächert an Veranstaltungsformen für die Weiterbildung der Frau engagiert. Dank der zuverlässigen Struktur des Verbandes, die seit früher Zeit zu den Stärken gehört, dem soliden Netzwerk der Gruppenarbeit, der Zeitschrift als verbindendem Element haben sich Öffentlichkeits- und Kommunikationsarbeit bewährt.

Auf den Schultern mutiger und engagierter Frauen, den Protagonistinnen der Frauenbewegung, die sich an unterschiedlichen Fronten für die Gleichberechtigung und die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft eingesetzt haben, stehen wir heute. Vieles ist erreicht worden, denn für uns ist es selbstverständlich geworden zu wählen, planen, handeln und unsere Zukunft selbstbestimmt zu gestalten – Privilegien, die von unseren Vorgängerinnen hart errungen worden sind.

Heute, im Jahre 2019, existieren allerdings noch immer keine volle Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau in unserer demokratischen Gesellschaft. Daher unterstütze ich im Namen unseres Verbandes die Forderungen des Deutschen Frauenrates nach geschlechtergleichem Entgelt von Arbeit, Rentengerechtigkeit, einer Gleichstellung in puncto Sorgearbeit, Parität in den Parlamenten und einer Ausweitung der Quote speziell auch im Bereich der Kultur, einer Kernaufgabe unseres Verbandes.

Dr. Elisabeth Kessler-Slotta
Bundesvorsitzende des Deutschen Verbandes Frau und Kultur e.V.

Bundestagung in Aachen

Zum ersten Mal seit ihrem mehr als 100-jährigen Bestehen richtete die Gruppe Aachen am 22. und 23. April die Bundestagung mit großem Erfolg aus. Dank der perfekten Teamarbeit von 10 Damen aus der Gruppe Aachen unter der Leitung der 1. Vorsitzenden Prof. Ulla Dohmann und der stellvertretenden Vorsitzenden Anita Braunsdorf kamen die rund 100 Teilnehmerinnen in den Genuss, Aachen aus vielen Perspektiven kennenzulernen. Zum einen waren es die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt, die während unterschiedlicher Führungen gezeigt wurden, zum andern waren es bekannte Aachener Frauen, die am Nachmittag bei einer Spezialführung und vor allem am Abend vorgestellt wurden.

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Alle Fotos: Ute Haupts

Dass Aachen nicht nur Karneval feiern kann, sondern auch tolle Feste gestaltet, ist uns beim Festabend bestätigt worden. Solch einen Empfang beim Eintritt in den geschmückten Saal hat niemand erwartet! Das Orchester der Geigenklassen der Grundschule Hanbruch, die von der Gruppe Aachen finanziert wird, spielte mit großem Eifer auf und erzeugten sofort gute Laune.

Bei ihrer launigen Begrüßung bedankte sich Prof. Dohmann für das große Interesse der Mitglieder von Frau und Kultur und dankte Ihrem Team für die großartige Organisation. Sie stellte auch die holländische Pianistin Renée Derks vor, die am Piano die Gäste schon mal bei der Vorspeise bestens unterhielt.

Da Oberbürgermeister Philipp leider verhindert war, sprach die Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Conradt das Grußwort und stellte die Frage, ob Frauenverbände noch zeitgemäß sind. Ja! sie leisten einen wichtigen Beitrag, Frauen stark zu machen.

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Frau Kessler-Slotta dankte der Aachener Gruppe für die vielfältige und gute Vorbereitung der Tagung. Einige unserer Damen sind schon ein Tag zuvor angereist, um den Dom und die Schatzkammer zu besichtigten.

Die Kulturbeauftragte der Stadt Aachen Susanne Schwier betonte in ihrem Grußwort, dass wir doch alle unsere Neugierde behalten sollten und ging auch auf die Musikschule ein. Dank der Förderungen erleben die Kinder Teamfähigkeit, Stolz, Haltung und eine gute Netzbildung.

Ein reichhaltiges Buffet sorgte bestens für das leibliche Wohl. Musikalischen Leckerbissen boten uns dabei mit ihren Liedern acht Herren von „Capella a Capella“ teils im Öscher Platt gesungen sowie bekannte Songs der Comedian Harmonists. Als sie dann singend durch den Saal gingen, brauste Jubel auf.

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Den Festvortrag hielt Dr. Holger Dux über berühmte Aachener Frauen, die er teilweise bei seiner Führung am Nachmittag vor Ort vorstellte, wie z.B. Helene Weber, die als „Mutter des Grundgesetzes“ für die BRD angesehen wird oder Clara Fey, die aus eigenen Mitteln eine Armenschule initiierte und am 5. Mai in Aachen selig gesprochen wurde.

Das abwechslungsreiche Festprogramm endete mit einem Gedichtvortrag von Mascha Kaleko über die Leistung der Frau in der Kultur, gelesen von der Theaterleiterin Ingeborg Meyer.

Am nächsten Morgen begann die Jahreshauptversammlung. Zu Beginn informierte Ingeborg Meyer über die Theaterschule Aachen e.V., die von Frau und Kultur eine Spende erhielt.

Nach der Gedenkminute für die verstorbenen Damen wurden die personellen Veränderungen in den Gruppen vorgetragen. Ein weiterer Diskussionspunkt war die neue Datenschutzverordnung, die Ende Mai in Kraft trat.

Im Zusammenhang mit dem Akquirieren engagierter Damen für die Vorstandarbeit allgemein, wies Prof. Dohmann auf die Teamarbeit hin, dass Hierarchien abgebaut werden sollten und jede Frau aus dem Team bestimmte Aufgaben eigenständig durchführen kann.

Inge Kellersmann

Spende an die Theaterschule Aachen e.V.

Traditionsgemäß hat der Deutsche Verband Frau und Kultur e.V. im Rahmen seiner Mitgliederversammlung einer gemeinnützigen Organisation eine respektable Spende überreicht. Sie geht in diesem Jahr an die Theaterschule Aachen e.V. .

Unter der Leitung von Ingeborg Meyer bietet die Theaterschule nicht nur ein vielseitiges Kursprogramm für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche und Kinder an, u.a. Theater-AGs in Schulen und Kurse für Gehörlose.

Jahresbericht 2017

Meine lieben Damen,

mein Jahresbericht umfasst wie gewohnt die unterschiedlichen Schwerpunkte meiner Tätigkeit: die Planung und Durchführung zweier jährlich stattfindender Tagungen, die Kooperation mit der Akademie Franz Hitze Haus in Münster, die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Frauenrat in Berlin, die Bewältigung anstehender Probleme in den Gruppen sowie Ansprechpartnerin zu den vielfältigen Fragen von Vorsitzenden und Mitgliedern zu sein.

Unsere Bundestagung 2017 fand gemeinsam mit 118 Damen aus ganz Deutschland am 23./24. April im Maritim Konferenzhotel in Darmstadt statt. Integriert in das Kulturprogramm des Tagungsablaufes wurde das dortige weltberühmte Jugendstilensemble der Mathildenhöhe inklusive des Museums besucht, fabelhaft abgerundet durch einen Kurzvortrag des Leiters des Instituts Mathildenhöhe, Herrn Dr. Philipp Gutbrod. Der darauffolgende Vormittag war der Mitgliederversammlung mit Wahlen und anstehenden Fragestellungen vorbehalten. Im November trafen sich traditionsgemäß im Liudger-Haus in Münster der Bundesvorstand, die Gruppenvorsitzenden mit Stellvertreterinnen sowie die Redaktion unserer Zeitschrift, um Neuausrichtungen zu diskutieren und Problemlösungen anzustreben. Die intensive Kommunikation erleichtert die Pflege guter und einvernehmlicher Kontakte zu den Gruppenvorsitzenden und untereinander, sie stellt somit auch ein wichtiges Element unseres Verbandslebens dar.

Die Kooperation mit der Akademie Franz Hitze Haus in Münster ist fortgesetzt worden. Anfang September 2017 besuchten 12 Damen das dreitägige Seminar, das ausschließlich für Damen unseres Verbandes vorgesehen war. Die kompetente und uns wohl vertraute Literaturspezialistin Dr. Christiane Dahms widmete sich medienübergreifend dem Thema „Traumwelten“. Ausgesuchte Texte und Zeitdokumente leuchteten den überraschend vielfältig oszillierenden Begriff aus und veranlassten die Teilnehmerinnen zu reger Mitarbeit. Allerdings wird der spezielle Exklusivitätscharakter dieses Seminars so nicht weiter geführt werden, da der ausrichtenden Institution durch die überaus wechselhafte Teilnahme finanzielle Einbußen entstanden sind. Von 2018 an werden nach wie vor Literaturseminare in der Akademie Franz Hitze angeboten, die aber jedem Interessierten offen stehen, also auch den Damen unseres Verbandes.

Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Frauenrat in Berlin ist fortgesetzt worden. Dazu bot die Teilnahme an der Mitgliederversammlung vom 23./24.Juni 2017 Gelegenheit, um sich gemeinsam im Engagement für die Gleichstellung in Politik und Gesellschaft einzusetzen, u.a. mit dem Schwerpunkt für eine geschlechtergerechte, soziale und solidarische Organisation des Gesundheitswesens.

Im Juni 2017 hat die Gruppe Gütersloh ihre Auflösung beschlossen, die nach rechtmäßiger Kündigung erst mit dem 01. Januar 2018 in Kraft getreten ist. Wir bedauern diese Entwicklung außerordentlich, zumal die Gruppe über 70 Mitglieder verfügte. Trotz intensiver Bemühungen von Frau Volkland und mir konnten wir die Damen in Gütersloh weder umstimmen noch dazu motivieren, von diesem finalen Schritt Abstand zu nehmen.

Im Zusammenhang mit der Übergabe der Verbandsspende an die Luise Büchner-Gesellschaft e.V. der Stadt Darmstadt, die wir in Abstimmung mit der Frauenbeauftragten Darmstadts dieser Institution im April 2017 übergeben haben, war ich wiederholt dort zu Gast. Am 2. Juni wurde das Denkmal für Luise Büchner in Darmstadt eingeweiht, zu dessen Finanzierung wir mit unserer Spende erheblich beigetragen haben. Luise Büchner (1821-1877), jüngere Schwester des Schriftstellers Georg Büchner, zählt zu den weiblichen Berühmtheiten Darmstadts. Sie hatte zusammen mit der Großherzogin Alice von Hessen und bei Rhein den Alice-Frauenverein für Krankenpflege gegründet und sich zeitlebens für die berufliche Bildung von Mädchen und Frauen eingesetzt, ein Recht, das ihr verwehrt worden war. Außerdem war ich Ende November 2017 Gast des Symposiums „Rollenbilder – Rollenwandel. Perspektiven für Frauen in den Medien“. Am darauffolgenden Tag konnte ich an der Verleihung des Luise-Büchner-Preises für Publizistik an Barbara Beuys teilnehmen, der auch alle vier Preisträgerinnen der Vorjahre – Bascha Mika, Lisa Ortgies, Luise Pusch und Barbara Sichtermann – beiwohnten. Die Veranstaltung war geprägt von Frauenpower in Worten und Musik wie auch umsichtig vorbereitet von vielen helfenden Händen hinter den Kulissen.

Im September 2017 ist die Vereinshaftpflichtversicherung mit der ERGO Victoria in Kraft getreten, die die Aktivitäten des Bundesvorstandes für den Verband absichert. Darüber hatten wir uns im Rahmen unserer Bundestagung 2017 verständigt.

Der Austragungsort der nächsten Bundestagung wird vom 28./29. April 2019 Würzburg sein. Entsprechende Vorgespräche haben Frau Volkland und ich mit dem ausrichtenden „Maritim Hotel Würzburg“ Anfang April geführt. Ein Tagungsprogramm werden wir den Gruppenvorsitzenden und Verantwortungsträgerinnen im Rahmen unseres diesjährigen Herbsttreffens am 11./12. November 2018 aushändigen.

Meinen lieben Kolleginnen im Vorstand danke ich recht herzlich für die engagierte Mitarbeit und Hilfe bei allen anstehenden Fragen und Problemen. Ihnen allen, meine lieben Damen, danke ich ebenso und bitte Sie herzlich um weitere, wohlwollende Unterstützung.

Ihre Elisabeth Kessler-Slotta

Bundestagung in Darmstadt

Wahrlich einen exzellenten Standort hat der Vorstand für die diesjährige Bundestagung ausgesucht. Rund 120 Damen aus den meisten Gruppen des Verbandes kamen in den Genuss, Darmstadt und den Jugendstil kennen- und schätzen zu lernen. Dazu war auf der Mathildenhöhe die beste Gelegenheit. Die Künstlerkolonie gilt mit ihren Häusern, Gartenanlagen und Kunstwerken noch heute als schönste Jugendstilanlage Deutschlands.

Die Künstler, u.a. Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens und Albin Müller, inszenierten das Gelände als ästhetisches Gesamtkunstwerk. Während der einstündigen Führungen auf der Mathildenhöhe wurde die Bedeutung der Bauten, aufgelockert durch Anekdoten, bestens vermittelt. Viele Damen hatten auch die Gelegenheit, das Interieur im Großen Haus Glückert zu bewundern. Das Haus, das sich der Möbelfabrikant Julius Glückert von Olbrich errichten ließ, wurde in der Bombennacht 1944 teilweise zerstört, dann wieder aufgebaut und in den 1980er Jahren restauriert. Heute ist es Sitz der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Ein weiterer Höhepunkt der Führung war die Besichtigung des Platanenhains ein Gesamtkunstwerk des Künstlers Bernhard Hoetgers. Das Skulpturenprogramm stellte er unter den Leitgedanken des Werdens und Vergehens in der Natur, unter das Symbol des Wassers.

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Nach dem geführten Rundgang hatten wir ausreichend Gelegenheit, das sehr gut ausgestattete Museum zu besuchen, nach einer Taufe kurz einen Eindruck von der Russisch-orthodoxen Kapelle zu erhaschen und vom Hochzeitsturm aus einen Blick auf die Mathildenhöhe, zur Waldspirale von Hundertwasser und bis nach Frankfurt und dem Feldberg zu werfen. Der Wettergott zeigte sich gnädig. Ein wunderbarer Auftakt der Bundestagung. Mit einem Sektempfang im Maritim Konferenzhotel Darmstadt begann der festliche Teil des Gala-Abends. Eingeleitet von der Bundesvorsitzenden Dr. Kessler-Slotta sprach Gabriele Mair – stv. Frauen-und Gleichstellungsbeauftrage der Wissenschaftsstadt Darmstadt ein Grußwort und bedankte sich für die Spende des Verbandes an die Luise Büchner Gesellschaft.

Den Festvortrag hielt der Direktor des Instituts Mathildenhöhe Dr. Philipp Gutbrod. In seinem brillant gehaltenen Vortrag wies er anhand von Fotos auf die herausragende Bedeutung der Anlage hin, die heute noch Bestand hat. Der Großherzog Ernst Ludwig, der 1899 progressive Architekten, Bildhauer und Maler nach Darmstadt geholt hat, verstand es, nicht nur Kultur, sondern auch die Wirtschaft zu fördern. Dr. Gutbrod verwies auch auf die vier berühmten Ausstellungen in Darmstadt hin und würdigte u.a. die erstaunliche Modernität der Künstler für die damalige Zeit. So wurden nicht nur ästhetisch schön gestaltete Eigenheime gebaut, sondern auch günstiges Design für die große Masse entworfen und eine Kleinwohnungskolonie für Arbeiter gebaut.

Kurz und gut: Die Mathildenhöhe ist ein Juwel, das Weltgeltung verdient. Deshalb hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, die Künstlerkolonie Darmstadt im Jahr 2019 auf die offizielle Vorschlagsliste Deutschlands für künftige UNESCOWelterbestätten zu setzen. Ausschlaggebend sei u.a. der außergewöhnliche universelle Wert der Mathildenhöhe. In drei Jahren gibt es dann in Darmstadt hoffentlich Grund, die hohe Auszeichnung zu feiern. Nach dem Vortrag sorgte ein reichhaltiges Dinnerbuffet bestens für das leibliche Wohl. Der Abend endete mit vielen guten Gesprächen unter uns.

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Am nächsten Morgen begann die Jahreshauptversammlung. Zu Beginn informierte Frau Kuchemüller in Vertretung von Agnes Schmidt über das geplante Denkmal für Luise Büchner und stellte die Darmstädter Mitbegründerin der Deutschen Frauenbewegung vor. Nach der erfolgreichen Wiederwahl der Kassenführerin Renate Szymanek und der Protokollführerin Sibylle Weitkamp stellten sich kurz die vier neuen Gruppenvorsitzenden vor. Dabei kam die Problematik der Nachfolge des Vorstandes in den einzelnen Gruppen ins Gespräch. In der Diskussion wurde deutlich, dass nicht die 1. Vorsitzende alle Last zu tragen hat, sondern in einem Team bzw. mehreren Beiräten erfolgreich gestaltet und gearbeitet werden kann. Mit einem Mittagessen endete diese eindrucksvolle Bundestagung.

Inge Kellersmann